Ratgeber für Lehrkräfte

Bilder prüfen im Unterricht: Bildrückwärtssuche und drei Bildfallen

„Ein Foto lügt nicht“ – diesen Satz halten viele Jugendliche für richtig. Dabei täuschen die meisten irreführenden Bilder gar nicht durch Fälschung, sondern durch den Zusammenhang, in dem sie gezeigt werden. Wer drei Bildfallen kennt und weiß, wie eine Bildrückwärtssuche funktioniert, kann die meisten Fälle selbst prüfen.

Drei Bildfallen

1. Falscher Zusammenhang

Ein echtes Foto, aber aus einer anderen Zeit oder von einem anderen Ort. Ein Hochwasserbild von vor einigen Jahren wird zum Beispiel als „heute Morgen bei uns“ geteilt. Das Bild selbst ist unverändert – falsch ist nur die Behauptung dazu. Hier hilft die Bildrückwärtssuche: Wo und wann tauchte das Bild zuerst auf?

2. Irreführender Ausschnitt

Ein Teil des Bildes fehlt, und dadurch ändert sich die Aussage. Die leere Ecke eines vollen Platzes wirkt wie eine leere Veranstaltung. Hier hilft es, nach dem vollständigen Bild oder nach weiteren Fotos vom selben Moment zu suchen und auf Ränder und Größenverhältnisse zu achten.

3. Bearbeitet oder erzeugt

Ein Bild wurde retuschiert oder von einem Programm erzeugt. Manchmal verraten es Unstimmigkeiten: Schatten in verschiedene Richtungen, unleserliche Schrift, seltsame Hände oder Spiegelungen. Wichtig für den Unterricht: Gut erzeugte Bilder haben solche Fehler oft nicht. Fehlen sie, ist das Bild nicht automatisch echt. Entscheidend ist die Frage, ob seriöse Quellen das Bild zeigen.

Die Bildrückwärtssuche in vier Schritten

  1. Bild sichern: das Bild speichern oder die Bildadresse kopieren.
  2. Suchen: in einer Bildersuche hochladen oder die Adresse einfügen, zum Beispiel bei Google Lens, Bing oder TinEye.
  3. Den ältesten Fund suchen: Wo erschien das Bild zuerst, und welche seriösen Quellen zeigen es? Manche Dienste können die Treffer nach Datum sortieren.
  4. Vergleichen: Passt die damalige Beschreibung zur heutigen Behauptung?

Als Merksatz für die Klasse: Erst fragen, woher das Bild kommt – dann glauben, was es zeigen soll.

Tipps für die Stunde

  • Keine echten Falschbilder verwenden. Fallbeispiele lassen sich in Worten beschreiben („Bild: überflutete Straße, Bäume ohne Laub“). So braucht es weder echte Falschmeldungen noch Bildrechte.
  • Keine Bilder realer Unglücke, von Gewalt oder realen Personen. Für die Vorführung der Rückwärtssuche eignet sich ein frei lizenziertes Foto ohne Personen, etwa ein bekanntes Bauwerk aus Wikimedia Commons, oder ein eigenes Foto der Lehrkraft.
  • Keine Fotos von Schülerinnen und Schülern hochladen. Wer mit Geräten sucht, nutzt nur die vorbereiteten Bilder.
  • Auch das Gegenbeispiel zeigen. Ein Bild mit genannter Quelle, passendem Datum und übereinstimmenden Fundstellen ist eher vertrauenswürdig. Die Klasse soll lernen zu prüfen, nicht allem zu misstrauen.

Mehr zu den übrigen Prüfschritten (Absender, seitlich lesen, Datum, Gefühl) steht im Ratgeber Falschinformationen erkennen im Unterricht: fünf Prüfschritte für Klasse 7–10.

Fertig ausgearbeitet: die Reihe Klarblick

In der Unterrichtsreihe „Klarblick – Falschinformationen erkennen“ ist „Stimmt das Bild?“ die dritte von sechs Stunden zu je 45 Minuten, mit Ablaufplan, Tafelbild, vier Fallkarten für die Gruppenarbeit und Lösungshinweisen. Stunde 1 („Wer steckt dahinter?“) können Sie kostenlos ansehen, ausdrucken und im eigenen Unterricht nutzen.